Lindauer Zeitung, Lokales 07.06.2014 (http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Wo-Inklusion-keine-Kunst-ist-_arid,10027256.html, aufgerufen am 10.6.2014, um 10:33):

Wo Inklusion keine Kunst ist

Schüler des VHG und Mitarbeiter der Lindenberger Werkstätten nehmen ihr Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise:

See a little art

Die Freie Schule zeigt ein „Maskentheater“. isa

 Lindau isa Die Schüler des VHG und die Mitarbeiter der Lebenshilfe haben ihr Publikum bei dem Kleinkunstabend „See a little Art“ im vollbesetzten Zeughaus mitgenommen auf eine Reise, die nicht allein in die Welt des Theaters, der Musik, der Poesie, der Masken und der Akrobatik führte. Vielmehr auch auf die abenteuerliche Reise zu sich selbst und in eine für viele unbekannte Welt: In eine Welt, in der Inklusion tatsächlich gelebt wird und in der sich Menschen ohne und mit Behinderungen zu einem wunderbaren Ganzen ergänzen.

Bedeutet Reisen nicht neue, unbekannte Welten zu entdecken, fremde Kulturen und ihre Menschen kennenzulernen? Und ist es nicht genau so, wie es Günter Kunert mit den Worten „wohin auch immer wir reisen, wir suchen, wovon wir träumen, und finden doch stets nur uns selbst“ schildert? Zumindest sind diese Gedanken sinnbildlich für das Kleinkunstabend-Inklusions-Projekt der 17 Sozialkundeschüler der zehnten Klassen des Valentin Heider-Gymnasiums, dessen Moderatoren Laura, Sebastian und Nike dieses Zitat ausgesucht haben. Und in denen - wie sich im Laufe des Abends herausstellen sollte - eine tiefe Wahrheit steckt.

Am Bahnhof gestrandet

Welcher Ort, wenn nicht ein Bahnhof, kann geeigneter sein, um sich auf eine Reise zu begeben? Ist dies nicht auch ein Ort, an dem sich Menschen begegnen, die unterschiedlicher nicht sein können? Menschen etwa, wie das einsame Mädchen in Jeans und Cowboyhut (Leonie), das am Bahnhof gestrandet ist und melancholische Balladen zu ihrer Gitarrenmusik singt, um weiterzukommen. Oder der traurige Prinz (Jean-Pierre), der sich erst von seinen besitzergreifenden Eltern lösen muss, um seine Reise zu sich selbst antreten zu können.

Der Bahnhof jedenfalls ist es, den sich die Schauspieler des VHG und der Lindenberger Werkstätten als Schauplatz für ihr Stück „Szenen am Bahnhof“ ausgesucht haben. Hier nimmt die Geschichte ihren Lauf, die gefühlvoll von Michael Haid auf der Gitarre begleitet wird. In zwölf kurzen Szenen erzählen die Schauspieler vom alltäglichen Leben an einem Ort, der als Durchgangsstation für die unterschiedlichsten Charaktere und Schicksale dient. Allein die beiden Putzfrauen, Albertine (Rita) und Daniela Schäffler, die besenschwingend durch die Halle ziehen, sind hier daheim. Denn: „Was glaubst Du, wie´s hier aussehen würde, wenn´s uns nicht gäbe?“ Nur manchmal setzen sie sich auf die Wartebank, lesen die Lindauer Zeitung oder träumen von einem besseren Leben.

Wie auch die drei Ausreißermädels (Leonie, Alice und Lukretia), die sich hier mit Dosenbier betäuben. Sie träumen von Anerkennung, viel Geld oder einer „gscheiten Wurschtsemmel“. Dagegen strahlen die beiden Baseballkappen tragenden Kumpels (Matthias und Stefan) Zufriedenheit aus, wenn sie sich die Zeit damit vertreiben, den vorbeihastenden Menschen zuzusehen. Überhaupt ist die Bahnhofshalle Treffpunkt verschiedener Schicksale. Manche enden sogar mit einem Happy End. Dann nämlich, wenn der traurige Prinz seiner Prinzessin (Alexandra) begegnet, minutenlang im Kniefall, und ihr tief in die Augen blickend, verharrt und das Publikum vor Begeisterung tobt.

Schauspieler strahlen Präsenz aus

Während die Schauspieler ohne Behinderung den sprechenden Part übernehmen, sind es die Schauspieler mit Behinderung, die ihre Rollen mittels Gestik und Mimik füllen. Dabei agieren sie nicht etwa nur als Statisten. Vielmehr füllen sie das Stück mit Leben, weil sie ihre jeweiligen Rollen überzeugend real spielen und dadurch eine Präsenz ausstrahlen, die dem Zuschauer das Herz aufgehen ließ.

Eine ganz andere, nicht weniger beeindruckende Qualität des „See a little Art“ zeigte sich im zweiten Teil des Abends. Auch hier diente der Bahnhof als ideale Kulisse für alle weiteren Stationen auf der Reise durch eine andere Welt. Mal bunt und ereignisreich, mal unterhaltsam und poetisch, mal außergewöhnlich und atemberaubend. Etwa, als die „Rope Skipping“-Gruppe aus Hergensweiler in atemberaubender Geschwindigkeit ihre Seile schwang oder die Artistengruppe „Akrolocco“ des Turnvereins Reutin ihre Akrobatik zeigte. Oder die inklusive Trommelgruppe „Tschabumm“ mit einem Rhythmus aufwartete, dessen Dynamik das Publikum beinahe von seinen Stühlen riss. Denkwürdig waren aber auch die Poetry-Gedanken übers Reisen von Kevin und Martin. Eindrucksvoll das „Maskentheater“ der Freien Schule ebenso wie der mit Bechermusik untermalte und von Leonie gesungene „Cup-Song“. Oder einfach nur schön die Lieder von „Klangwut“.

Ein Abend also, von dem das Publikum gerne gehabt hätte, dass die Zeit, wie auf der großen Bahnhofsuhr, stehen bliebe.

Ausflug
Gemeinsamer Ausflug des "See a little art" Teams in den Skyline-Park - Das haben wir uns verdient

 

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